Desaster der NPD in Friedberg und Nidda
Verfasst von ank ffm am August 2, 2009
Wie schon der vorangegangene Erlebnisbericht aus Friedberg zeigt: in dieser Stadt bekamen die Nazis der NPD keinen Fuß auf den Boden. Angetreten, etwas gegen die halluzinierte „Islamisierung Deutschlands“ zu tun, kamen sie in Friedberg noch nicht einmal 200 m weit. Danach, weit entfernt vom Ziel ihres Hasses, der Ayasofya-Moschee, wurden sie von zeitweise bis zu 500 AntifaschistInnen auf ihrer Route blockiert und mussten nach etwa 2 Stunden in den von Seiten des RMV mal wieder zur Verfügung gestellten Sonderzug nach Nidda steigen.
Dort empfingen sie auf dem Bahnhofsvorplatz ca. 200 Antifas, angesichts derer die Polizei sich weigerte, den Platz zu für die Nazis zu räumen. Zurück ging es etwas später, wieder im Zug, nach Ranstadt. Aber als die Faschos dort aussteigen und eine „Spontandemo“ veranstalten wollten, platzte selbst den polizeilichen VertreterInnen der Staatsmacht der Kragen und es wurde den Nazis klargemacht: heute wird nicht demonstriert.
[Update: In Ranstadt hat es im Gegensatz zu einer Fehlinformation, die wir zuvor erhalten hatten, eine kurze, wahrscheinlich von Mario Matthes angemeldete Spontandemonstration unter dem Motto "Demonstrationsrecht auch für Deutsche" (!!) gegeben. Augenzeugen sprechen von etwa 80 Faschisten, die für relativ kurze Zeit durch den Ort gezogen seien, andere berichten von erheblich mehr. Zu einer genaueren Schilderung der Situation in Ranstadt bis ca. 19:00 Uhr sowie zum Verhalten von Polizei und Nazis dort vgl. die Berichte im Kommentarbereich unten, am Schluß dieses Artikels]
Bericht Hessenschau
Bericht ARD-Tagesschau
Bericht FR
Sammlung weiterer Links: newstin
Eie Einschätzung des EA liegt noch nicht vor. Sie wird hier verlinkt, sobald wir sie haben.
Kurze Einschätzung der ANK (eine gesonderte Einschätzung zur Frage des polizeilichen Verhaltens am 1. August folgt in Kürze):
Eine herausragende Rolle für diesen großen Erfolg spielte das breite Bündnis gegen die NPD in Friedberg, das sich in wochenlanger Vorarbeit herausgebildet hatte. Etwa 500 AntifaschistInnen aus fast 80 unterschiedlichsten Gruppen und Organisationen, darunter Stadtverordnete aller Parteien, führende Gewerkschaftsfunktionäre und VerteterInnen der Kirchen und vieler Organisationen vom mainstream bis zur Antifa weigerten sich von 10:30 bis 14:00 Uhr in der Blockade auf der NPD-Route, der polizeilichen Aufforderung zu gehorchen, der NPD Platz zu machen. Die Polizei schien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr völlig Herr der Lage zu sein, denn hier standen ältere Menschen und Kinder, Männer und Frauen, Leute aus verschiedensten politischen Lagern, Parteien und Organisationen direkt nebeneinander gegen die Nazis und verweigerten den x-fachen polizeilichen Räumungsaufforderungen den Gehorsam. Hervorragend in dieser Situation wieder einmal die konsequente und klare Ansage an die Polizei vom Lautsprecherwagen mit dem bewährten und allseits bekannten Team, das auch durch seine Musikauswahl (fast) jeden geschmakc erfreute. Außerdem gabs eine Super-Trommelgruppe der Clownsarmee, eine Darbietung der „Front Deutscher Äpfel“ und spontane Akrobatik-Einlagen. So blieb die Stimmung stundenlang gut.
Diese Mischung und die Menge von zeitweise bis zu 500 Menschen direkt zu Beginn der behördlich genehmigten Route war es, die es der Polzei unmöglich erscheinen ließ, einfach so für die Nazis zu räumen. Es hätte sehr lange dauern können, uns alle wegzutragen, wenn wir uns zB. gesetzt und eingehakt hätten.
Ob es im Hintergrund dessen auch noch andere polizeilich Überlegungen gab und wie die aussahen, wissen wir nicht – und ist uns auch egal. Entscheidend ist: das Konzept, sich wirklich und nicht nur verbal in den Weg zu stellen, hat funktioniert. Die vielen, die das mitermöglicht und -erlebt haben, werden es nicht so schnell vergessen, und vielleicht ja auch in ganz anderen politischen Situationen als Erfahrung wieder abrufen können.
Das Stadtbild in Friedberg entlang der NPD-Route war geprägt von Schildern und Transparenten gegen die Nazis. Aber schon am Blockadepunkt Hanauer Straße / Karlsbader Straße war Schluß – entgegen der zwei Tage zuvor im Rahmen eines Kooperationsgespräches gemachten martialischen Ankündigung des polizeilischen Einsatzleiters, König, das „Demonstrationsrecht“ der Nazis werde auf jeden Fall durchgesetzt.
Das Friedberger Bündnis in seiner heutigen Form war ein gutes Beispiel für das Konzept „Masse und Entschlossenheit„. Es hat sich bewährt.
Schlimm, daß ein solches Vorgehen und ein solches Bündnis in Frankfurt derzeit undenkbar ist. Städtische Gremien und RepräsentantInnen, Kirchen- und DGB-Führungen, die Frankfurter Medien, die Eliten der Frankfurter Zivilgesellschaft wären derzeit zu einem Vorgehen, wie es heute in Friedberg zu sehen war, nicht in der Lage und teilweise auch nicht bereit. Wir werden uns bemühen, unseren Beitrag dazu zu leisten, das zu ändern.
